Angriff auf den 8h-Tag

Wir dürfen bald “Flexibler Arbeiten”, verspricht uns die Koalition. Praktisch heißt es, der 8-Stunden Tag, der zentrale Erfolg der Arbeiter:innenbewegung, wird stillschweigend abgeschafft. Auch wenn schon heute die Realität vieler Kolleg:innen anders aussieht, so sehen die Pläne der Regierung dennoch düster aus: Ein 13-Stunden Arbeitstag soll für alle ermöglicht werden, bei einer laut Gesetz durchschnittlichen Wochenarbeitszeit von 48-Stunden. Das bedeutet, in harten Wochen dürfen es auch gerne 74-Stunden werden, solange der Durchschnitt 48-Stunden beträgt.

Laut der Regierung soll es mit dem Gesetzesvorhaben bald soweit sein. Noch Mitte Juli gab Kanzler Merz an, dass er im Herbst mit einem entsprechenden Gesetzesentwurf seitens des SPD geführten Arbeitsministeriums rechne.

Ob die großen Gewerkschaften vom DGB uns aus der Misere retten ist bei all dem mehr als zweifelhaft. Zu hören ist aus DGB-Kreisen (und aus einem im Juni durchgesickerten Gesetzesentwurf) nur der absurde Vorschlag, die höhere Arbeitszeit ausschließlich über Tarifverträge zu ermöglichen. Das muss man sich mal vorstellen: Wenn die Kopplung höhere Arbeitszeit mit Tarifverträgen kommt, schaufeln sich die Gewerkschaften ihr eigenes Grab. Wer sollte noch Mitglied in einer Gewerkschaft sein wollen, die höhere Arbeitszeiten aushandelt? Wir wünschen den kämpferischen Kolleg*innen an der Basis von Verdi, IG-Metall und co. viel Kraft um diesen- man muss es ganz klar sagen- Wahnsinn, von Gewerkschaftsbossen und SPD zu stoppen.

Warum aber das Ganze? Wie soll höhere Arbeitszeit die heilige- in diesem Sytem über allem stehende- Wirtschaft ankurbeln? Das hat mehrere Gründe. Zum einen soll durch die höhere und flexiblere Arbeitszeit, unternehmerisches Risiko auf die Beschäftigten abgewälzt werden. Wenn viel zu tun ist, kommen die Leute 60 Stunden oder mehr pro Woche arbeiten, wenn gerade Flaute in den Auftragsbüchern ist, schickt man sie nach Hause. Außerdem erlaubt die höhere Arbeitszeit ein wachsen der Profitrate der Kapitalist:innen. Für die Interessen der Reichen sollen wir alle mehr ackern. Für deren Wohlstand und Wettbewerbsvorteile arbeiten wir in Überproduktion. Dabei waren 8 Stunden schon zuviel, bedenkt man einmal was sonst noch alles an unbezahlter Arbeit im Haushalt und in der Pflege Angehöriger täglich auf uns wartet.
Wir müssen weniger arbeiten! Jede Stunde zählt!.

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